Die hellen und dunklen Seiten der Deutschen Schule           

In der Fotografie-Arbeitsgemeinschaft lernt man, mit Licht und Schatten zu zeichnen

Vielen Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe ist sie schon bekannt:

Die dunkelste Kammer der Deutschen Schule. Etwa der - für manche Schüler verdiente - Karzer? Nein, etwas viel Sinnvolleres wird hier 'im Dunkeln gemunkelt': im Fotolabor am Gang zwischen Hall und dem Kunsttrakt.

Dort haben sich einige Schüler bereits im Kunstunterricht mit der Technik der Fotografie vertraut gemacht und erfahren, daß man mit einfachsten Mittel mit Licht zeichnen kann (foto-grafieren). Jedem ist die Überraschung in Erinnerung, wie mit einem Filmdöschen, das zu einer Lochkamera umfunktioniert wurde, 'Bilder nach der Natur' entstehen können; schwarz-weiße Negative zuerst, die über einen Umkehrprozeß zu positiven Bildern werden.

An einem späten Montagnachmittag kann man sehen, wie sich blinzelnde Gestalten aus der Dunkelkammer tasten, geblendet vom grellen Sonnenlicht, mit noch nassen Fotografien in der Hand. "Gut in den Schatten gezeichnet", "die Lichter sind brilliant", "tiefe Schwärzen", "zu flau, mehr Kontrast": Fachbegriffe schwirren beim Beurteilen der Papierabzüge durch die Luft. Die Schattengestalten aus der 'Camera Oscura' sind die Aktivisten der Foto-Arbeitsgemeinschaft, die der Fotografie auf den Grund gehen wollen.

Molina Gosch : „Ich will selbst versuchen, wie das geht, Fotos zu entwickeln!" und Lina Gast will wissen, wie sie gute Fotos machen kann. Die Schülerinnen werden erfahren, daß viel Können und Anstrengung damit verbunden ist, diese Ziele zu erreichen.

"Tür zu!" ist das Signal, um die Lichtschleuse dicht zu machen, und man taucht wieder ein in das dämmerige Orangerot der Dunkelkammerbeleuchtung. Allmählich gewöhnt sich das Auge an das schwache Licht, zahlreiche Apparate und Wannen mit Chemikalien sind schemenhaft zu erkennen, konzentriert sitzen die Schülerinnen vor den Vergrößerungsgeräten, gespannt verfolgen sie, wie sich das Bild im Entwickler schwärzt.

Das Vergrössern und Entwickeln von schwarz-weissen Fotografien ist eine Kunst, die geübt werden muß. Fotolaborant ist in Deutschland ein Lehrberuf. Doch die massenhafte chemisch-physikalische Produktion von farbigen Bildern für Publikationen und für die Amateurfotografie ist eine Technik, die in Zukunft abgelöst wird durch die elektronische Bildherstellung über Chips und Bearbeitung am Computer, direkte Handarbeit ist sie schon lange nicht mehr. Dagegen wird sich die schwarz-weiß Fotografie als Handwerk und Kunst erhalten, wie andere Bilddrucktechniken z.B. der Holzschnitt, die Radierung, die Lithographie.

Das Fotolabor der Deutschen Schule bietet eine Ausstattung, die manches Schullabor in Deutschland in den Schatten stellt. Zehn Arbeitsplätze stehen zur Verfügung, weitere vier können noch eingerichtet werden. Fünf Vergrößerungsgeräte werden jetzt mit Filtern ausgestattet (zu den vier vorhandenen), die eine differenzierte Bearbeitung der Bildkontraste ermöglichen.

Beherrschen die Schülerinnen die Dunkelkammertechnik, haben sie eine Grundlage, um zu erkennen, wie das Negativmaterial beim Fotografieren reagiert. Das geschulte Auge sieht Lichter und Schatten in ihrer fotografischen Qualität. Der Fotograf beurteilt sie als Kontraste und Grauwerte und gestaltet mit ihnen das Bild. Die Schülerinnen der Foto-Arbeitsgemeinschaft erfahren auch, wie Blendenöffnung und Verschlußzeit als Gestaltungsmittel, nämlich als Tiefenschärfe und z.B. Bewegungsunschärfe die Fotografie beeinflussen. Sie müssen darüberhinaus viele Bilder studieren, um über Bildausschnitt, Standpunkt und Blickwinkel des Fotografen, Komposition, etc. Bescheid zu wissen. Damit können sie sich an klassischen Sujets der Fotografie wie Porträt, Stillleben, Landschaft, etc. versuchen, um Themen ihrer Wahl aus dem künstlerischen oder sozialen Bereich inszenierend oder dokumentarisch umzusetzen.

Zum Abschluß ihrer Arbeit gehört natürlich die Präsentation, und wir dürfen gespannt sein, was die Aktiven vorzuzeigen haben.